Pressemitteilung
Kunst Nachlass Stiftung übernimmt den künstlerischen Nachlass von Arthur Fauser
Rund 300 Ölgemälde und Hunderte Arbeiten auf Papier des bedeutenden Frankfurter Nachkriegskünstlers werden erstmals in Frankfurt zusammengeführt und wissenschaftlich erschlossen
Die Kunst Nachlass Stiftung Frankfurt am Main übernimmt den künstlerischen Nachlass des Malers und Grafikers Arthur Fauser (1911–1990). Damit wird erstmals das gesamte erhaltene künstlerische Werk des Villa-Massimo-Stipendiaten und Hans-Thoma-Preisträgers in Frankfurt zusammengeführt. Der Nachlass umfasst rund 300 Ölgemälde sowie Hunderte Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen. Die Überführung nach Frankfurt ist für Juni 2026 geplant.
Ein bedeutender Frankfurter Künstler kehrt zurück
Arthur Fauser zählt zu den bedeutenden Vertretern der Frankfurter Nachkriegsmoderne. Als Stipendiat der Villa Massimo in Rom (1958), Träger des Hans-Thoma-Preises für Bildende Kunst (1959) und des Kunstpreises der Stadt Darmstadt (1956) erlangte er nationale Anerkennung. Seine Werke befinden sich heute in namhaften Sammlungen, darunter das Städel Museum Frankfurt, die Deutsche Bundesbank und das Portland Museum of Art.
Fauser war tief in der Frankfurter Kunstszene verwurzelt: Er war Gründungsmitglied der Frankfurter Sezession (1953, gemeinsam mit Georg Heck und Ernst Weil) und Mitglied der Darmstädter Sezession. Das renommierte Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath widmete ihm über Jahrzehnte zahlreiche Einzelausstellungen. 1995 ehrte ihn die Stadt Frankfurt zusammen mit Leo Maillet, Friedrich Wilhelm Meyer und Samson Schames posthum mit der Ausstellung „Vier Frankfurter Künstler im Widerstand" in der Paulskirche.
Bereits ab Anfang der 30er Jahre engagierte sich Fauser im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. In dem Grafikatelier Sautter arbeitete Fauser in den 30er Jahren mit HAP Grieshaber zusammen. Im Krieg verlor er sein gesamtes Frühwerk durch Bomben und Plünderungen – ein Verlust, der den erhaltenen Nachlass umso wertvoller macht. Als Autodidakt schuf er ein expressionistisch-realistisches Werk, das konsequent autobiographische Züge aufweist und die Erlebnisse zweier Kriege künstlerisch verarbeitet.
Familiengeschichte mit doppelter Strahlkraft
Arthur Fauser war der Vater des Schriftstellers Jörg Fauser (1944–1987), dessen Werke „Der Schneemann" und „Rohstoff" bis heute Kultstatus genießen. Die Verbindung von bildender Kunst und Literatur in einer Frankfurter Künstlerfamilie verleiht dem Projekt besondere Anziehungskraft. Dass Fauser nach dem frühen Tod seines Sohnes 1987 Bilder schuf, die von Schmerz und Trauer zeugen, macht diese Verbindung noch bewegender.
Dreijahresprojekt zur wissenschaftlichen Erschließung
Die Übernahme des Nachlasses bildet den Auftakt eines auf drei Jahre angelegten Gesamtprojekts unter der kunsthistorischen Leitung von Dr. Dr. h.c. Marion Victor, Vorsitzende des Stiftungsrates. In der ersten Phase (2026) wird der Nachlass nach Frankfurt überführt, inventarisiert und digital erfasst. Es folgen ein wissenschaftlicher Bestandskatalog (2027) und eine große Retrospektive (2028).
Der schriftliche Nachlass Arthur Fausers – Briefe, Manuskripte und Dokumente – befindet sich bereits als Depositum im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main. Die parallele Aufstellung von künstlerischem und schriftlichem Nachlass ermöglicht erstmals eine umfassende wissenschaftliche Erschließung von Leben und Werk des Künstlers.
Über die Kunst Nachlass Stiftung Frankfurt am Main
Die Kunst Nachlass Stiftung wurde 2024 als gemeinnützige Treuhandstiftung gegründet, um künstlerische Vor- und Nachlässe von Künstlerinnen und Künstlern aus Frankfurt und der Region zu bewahren, wissenschaftlich zu erschließen und öffentlich zugänglich zu machen. Mit Arthur Fauser wächst der Bestand auf acht betreute Nachlässe. Eine Fachkommission mit Philip Augustin, Christoph Schütte und Florian Siedlarek empfiehlt die Aufnahme neuer Vor- und Nachlässe. Die Stiftung kooperiert mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt, dem Institut für Kunstgeschichte der Goethe-Universität und weiteren kulturellen Institutionen.
Pressekontakt
marionvictor@gmx.de
Mendelssohnstraße 55, 60325 Frankfurt am Main
www.kunst-nachlass-stiftung.de